Aus dem beschaulichen Rheinau kommen beste Wand- und Deckenplatten für Büros, Sitzungssäle und Saunen. Zu den Kunden von Staufer Holz zählen Unternehmen von Weltrang. Wie der Betrieb mit dem hochwertigem Werkstoff ein angenehmes Raumgefühl für Augen, Ohren und Nase schafft.
Wenn Jörg Krämer in die Sauna geht, verhält er sich mitunter etwas eigenartig. Während die anderen Gäste schwitzend geradeaus oder Richtung Boden stieren, wandert sein Blick an die Decke oder die Wand, neben der er sitzt. Interessiert betrachtet er das Holz und seine Struktur, hält Ausschau nach Unregelmäßigkeiten wie dunklen Streifen oder Kalkflecken. Und sofort würde ihm auffallen, wenn der Aufgussduft von einem unangenehmen Holzaroma gestört würde.

„Ich mag, dass jedes Teil etwas Besonderes ist – ein Unikat.“
Jörg Krämer, Geschäftsführer Staufer Holz
Holz – das beschäftigt den Rheinauer schon sein ganzes Berufsleben lang. 1986 heuerte er als Auszubildender zum Industriekaufmann bei Staufer Holz an. Und blieb. Obwohl er offiziell im Einkauf und in der Produktionsplanung arbeitete, half er in jungen Jahren zeitweise auch an den Maschinen aus, sägte, presste, schliff und leimte. Später absolvierte er ein Abendstudium zum Betriebswirt, wurde Prokurist und 2017 Geschäftsführer des Unternehmens. „Damals wie heute fasziniert mich das Naturprodukt“, sagt Krämer. „Ich mag, wie es sich anfühlt und dass jedes Teil etwas Besonderes ist – ein Unikat.“

Maßarbeit: Jedes Holzfurnier ist ein Unikat.
Seine Treue zur Firma und zum Werkstoff Holz passt zu dem mittelständischen Betrieb, in dem Beständigkeit eine wichtige Rolle spielt. Nachdem der Schreinermeister Wilhelm Staufer das Unternehmen 1908 gegründet hatte, blieb es über drei Generationen und gut 100 Jahre in Familienbesitz. Zwar verkaufte Rolf-Dieter Staufer den Traditionsbetrieb 2010 an die Schweizer NH Akustik + Design AG. Doch die Staufer Holz GmbH behielt als Tochterfirma ihre Eigenständigkeit und baute den Maschinenpark und die Fertigungstiefe weiter aus.
Heute stellen knapp 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf rund 30.000 Quadratmetern furnierte Holzplatten her. Tatsächlich spielen Schwitzräume dabei eine wichtige Rolle, denn die Firma beliefert den europäischen Marktführer im Saunabau mit Wand- und Deckenplatten. Meist werden diese mit einer 0,6 Zentimeter starken Holzschicht von der nordamerikanischen Hemlock furniert, die – im Gegensatz zu anderen Holzarten – bei Hitze keine unangenehmen Duftstoffe abgibt und zudem besonders edel und dicht ist.
Gefragtes Naturprodukt
Holz gilt als ältester Werk- und Baustoff der Welt. Schon vor 400.000 Jahren stellten Urmenschen daraus beispielsweise Jagdwaffen her, weshalb für manche Experten die Steinzeit eigentlich eine „Holzzeit“ war. Dass sie bis heute andauert, ist den besonderen Eigenschaften und dem großen Vorkommen des Rohstoffs zu verdanken. Allein in deutschen Wäldern stehen 3,7 Milliarden Kubikmeter Holz. Weltweit werden jährlich 3,3 Milliarden Kubikmeter Rohholz geschlagen. 122 Millionen Kubikmeter wachsen pro Jahr in Deutschland nach.
Noch häufiger als in Saunen finden sich Staufer- Platten aber an Decken und Wänden in Bürogebäuden, öffentlichen Einrichtungen oder Sporthallen rund um den Globus: ob im Sitzungssaal der Weltorganisation für geistiges Eigentum in Genf, in Büros von Google und Microsoft in den USA oder in der exklusiven Swiss Lounge am Flughafen Zürich. Mehr als 70 gängige Holzarten von Ahorn über den Dauerbrenner Eiche bis zu Zebrano hat das Unternehmen auf Lager. Weitere, noch exotischere kann es auf Kundenwunsch jederzeit beschaffen – wie das Olivenholz, das nun die Räume eines Bürogebäudes in Karlsruhe schmückt.
Neben den Augen müssen diese Innenraumverkleidungen meist auch den Ohren gefallen: Staufer Holz ist spezialisiert auf die Veredelung akustisch wirksamer Platten, die Lärm schlucken. Dabei arbeiten die Rheinauer eng mit dem Schweizer Mutterhaus zusammen, das zu den weltweit führenden Herstellern hochwertiger Akustikelemente gehört und die dafür typische Lochung hochpräzise ins Holz lasert. Insgesamt rund 200.000 Quadratmeter Platten verlassen jedes Jahr die Staufer-Produktionshallen, die nur einen Steinwurf von Rench, Rhein und französischer Grenze entfernt liegen.

12000
Arten von Holz werden weltweit gehandelt.

Platte um Platte: Die Produktion hat gut zu tun.
Regelmäßig reisen Kunden und Architekten von Weltrang in diese ländliche Idylle, um Hölzer auszusuchen und sich von der Qualität der Furniere zu überzeugen. „In diesem Segment spielen wir in der globalen Champions League“, sagt Krämer, der viele illustre Kunden nicht namentlich nennen darf – aber tatsächlich auch Fußballclubs beliefert, die bereits die Champions League gewonnen haben. Neben Qualität und Exklusivität ist Nachhaltigkeit ein entscheidender Faktor. Staufer Holz ist seit vielen Jahren FSC-zertifiziert, unterstützt nachhaltige Forstwirtschaft und den bewussten Umgang mit dem knapper werdenden Rohstoff. „Wir halten den Verschnitt so gering wie möglich und werben für den Einsatz von Holzteilen, die früher als weniger attraktiv galten, weil beispielsweise Äste und Risse zu sehen sind“, erklärt Krämer. Zudem achtet das Unternehmen auf seinen Energieverbrauch: Über Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern deckt es 60 Prozent des Strombedarfs, den Rest liefert die Süwag. Die führte bei Staufer Holz 2020 auch ein freiwilliges Energie-Audit durch und deckte diverse Einsparmöglichkeiten auf. In der Folge baute der Betrieb seine Solaranlage weiter aus, stellte die Innenbeleuchtung weitestgehend auf LED um und ersetzte alte Fenster gegen energiesparende Modelle.

26
Prozent der Bäume in Deutschland sind Fichten – mehr als jede andere Baumart.
Derlei Investitionen kann sich das Unternehmen leisten, weil die Geschäfte gut laufen. Die Auftragsbücher sind voll. Dank frühzeitiger Einkaufsplanung und über Jahrzehnte gewachsene Lieferantenbeziehungen kann auch die derzeitige Holzknappheit den Betrieb bislang nicht bremsen – im Gegenteil: Erst vor Kurzem sicherte sich Staufer Holz den bislang größten Einzelauftrag der Firmengeschichte: Die 35.000 Quadratmeter furnierte Platten sind für ein öffentliches Gebäude im Nahen Osten bestimmt.
fotos: Wolfram Scheible
